Gedanken aus dem Krankenhausalltag von Dr. Jens Ebnet

Vielfach kommt es im klinischen Alltag zu Wissensverlusten. Besonders anfällig sind hierbei die zahlreichen notwendigen „Schnittstellen“ während der 24-Stunden-Betreuung der Patienten.

Wer kennt es nicht? Nach einem Nachtdienst wurde eine Übergabe durchgeführt, die trotz Konzentration und Kaffee unter der vorhandenen Müdigkeit gelitten hat. Auf dem Weg nach Hause fällt dann der Groschen: „DAS wollte ich doch meinen Kollegen noch erzählen…“. Es bleibt dann die Hoffnung, dass die Kollegen es bereits selber herausgefunden und das Vergessen des Faktums noch keine negativen Auswirkungen auf die Patientenversorgung hatte.

Diesem Vergessen werden im klinischen Alltag Maßnahmen entgegengesetzt, wie das Anbringen von Schildern am Patientenbett („Achtung Penicillinallergie!“, „Verlegung auf Überwachungsstation“ etc.).

Doch Fehler kommen vor, Wissensverluste ziehen potentiell schädliche Wissenssenken nach sich, die den Patienten bedrohen können, wenn auch nicht immer bedrohen müssen.

Wenn bei einer Penicillinallergie unwissentlich ein ähnliches Antibiotikum gegeben wird, so mag dies meistens ohne Schaden für den Patienten ablaufen, aber ein Bruchteil der so behandelten Patienten wird im Rahmen einer Reaktion auf den verwandten Wirkstoff reagieren. Statistik macht nur Sinn bei großen Patientenpopulationen, den einzelnen Patienten wird es zu 100 % treffen.

Wenn im Rahmen einer Allgemeinanästhesie zur Vorbeugung von Übelkeit ein Kortisonpräparat gegeben wird, so mag dies in dieser Indikation sehr wirksam sein, allerdings kann dann die mikroskopische Diagnose von Lymphdrüsenkrebs erschwert bis unmöglich sein. Dass diese Diagnose gesichert oder verworfen werden soll, muss der Anästhesist folglich vorher wissen.

Wenn im Rahmen einer Checkliste vor Narkose- und OP-Beginn mehrfach festgestellt wird, dass die Routinelaborwerte vorhanden sind, so mag dies erfreulich sein, es sagt jedoch nichts über die Laborwerte selber aus. So können bis zu OP-Anfang schlechte Werte „durchgezeichnet“ werden, da sich die Beteiligten in falscher Sicherheit wiegen. Das bloße Vorhandensein von Gerinnungswerten sagt nichts über einzelne Werte aus. Wenn Piloten Checklisten durchgehen, so macht es auch wenig Sinn, wenn sie sich vergewissern, dass ein Fahrwerk vorhanden ist. Im Idealfall ist es bei der Landung auf hartem Grund auch ausgefahren.

Fehler und Kommunikationsprobleme sind menschlich und kommen täglich vor. Viele Fehler können durch Redundanzen vermieden werden. So muss sich der abgebende Arzt vom Zustand des Patienten persönlich überzeugen und der aufnehmende Arzt muss diesen auch zeitnah persönlich untersuchen.

Da es aber um Patienten geht, ist jeder (Beinahe-)Fehler einer zuviel.

Es muss alles unternommen werden, um Wissensverluste zu begrenzen. Dies kommt vor allem den Patienten, aber auch dem Unternehmen zugute und schafft einen Mehrwert.

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